Think Different. Think AI. Transkriptarchiv

Folge 18 · Fachartikel zur Folge

Coca-Cola gegen Telekom: Warum perfekt generierte Bilder kalt wirken

Zwei Weihnachtsspots, zwei Verfahren, zwei Reaktionen. Der Vergleich taugt weit über die Feiertage hinaus als Prüfstein dafür, wo generierte Inhalte tragen und wo sie kippen.

Von Mark Zimmermann · 22.12.2025 · 3 Minuten Lesezeit · Read in English

Diese Sonderfolge lässt eine KI vier Weihnachtsgeschichten aus der Perspektive des Weihnachtsmanns erzählen. Zwischen dem Kaminfeuer-Kitsch steckt ein Vergleich, der als Fallstudie taugt.

Der Vergleich

Die KI-generierte Weihnachtswerbung von Coca-Cola sorgte im Netz für Kritik: seelenlose Eisbären, ruckartige Pinguine, kalte Bilder ohne Wärme. Dagegen steht der Spot der Deutschen Telekom, vollständig ohne KI produziert, mit spürbarem Ergebnis.

Die daraus abgeleitete These lautet: Perfekt generierte Bilder wirken oft kalt, gerade weil ihnen das Unperfekte, Menschliche fehlt.

Die These ist zugespitzt und lohnt eine Präzisierung, weil sie sonst als Technikskepsis missverstanden wird.

Der Fall ist auch deshalb lehrreich, weil die Kosten hier nicht in der Produktion entstanden sind, sondern danach. Ein Spot, der Widerspruch auslöst, kostet mehr als die Ersparnis bei der Produktion einbringt.

Der fachliche Teil dazwischen

Zwischen den Geschichten diskutieren beide, ob die vielzitierte Pilotphase der KI wirklich vorbei ist, wie es im Beratersprech heißt, oder ob Unternehmen gerade erst begreifen, was mit agentischen Systemen auf sie zukommt.

Erwähnt werden dabei Arbeiten zu Latent Collaboration, in denen Modelle offenbar interne, nicht direkt beobachtbare Rollenverhandlungen führen. Das ist ein weiterer Baustein im Blackbox-Charakter heutiger Sprachmodelle und ein Argument gegen die verbreitete Annahme, sichtbares Reasoning zeige, was tatsächlich passiert.

Eingeordnet wird auch die Wettbewerbslage zwischen OpenAI und Google Gemini, inklusive des kolportierten Code Red bei OpenAI, während Google dank eigener Hardware unabhängiger von Nvidia-Chips dasteht.

Die freundliche Seite

Die dritte Geschichte zeigt KI als stillen Helfer beim Weihnachtsstress, von der Reiseplanung bis zur Geschenkesuche. Unspektakulär und genau deshalb tragfähig: Aufgaben, bei denen niemand Wärme erwartet, sondern Entlastung.

Die vierte und berührendste Geschichte handelt von der britischen Organisation Action for Children und ihrem magischen Elfenspiegel namens 11.ai. Ein Beispiel dafür, wie Technik Spenden persönlicher und wirksamer machen kann, statt sie zu ersetzen.

Der Unterschied zum Coca-Cola-Fall ist aufschlussreich. Hier ersetzt die Technik keine menschliche Geste, sie transportiert eine. Das Gefühl kommt von der Organisation und den Spendern, die Technik macht es zustellbar.

Fazit

Der Satz, mit dem die Folge endet, taugt weit über die Feiertage hinaus: Technologie kann Weihnachten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wo Herz fehlt, bleibt auch die beste Generierung oberflächlich.

Für die praktische Anwendung lässt sich das schärfer fassen. Prüfen Sie vor jedem generierten Inhalt zwei Dinge.

Erstens: Ist Nähe die Botschaft oder ist es Information? Bei Information ist das Verfahren gleichgültig. Bei Nähe wird es Teil der Aussage.

Zweitens: Kennt Ihr Publikum das Motiv genau? Je vertrauter, desto kleiner die Abweichung, die auffällt, und desto teurer der Fehlschlag.

Und rechnen Sie die Kosten vollständig. Die Ersparnis in der Produktion ist bekannt, die Kosten einer Debatte über Ihre Marke sind es nicht.