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Folge 5 · Im Gespräch mit René Deist

Intent, Operate, Check: Ein Ordnungsmodell für die Arbeit mit Agenten

92 Prozent der Unternehmen wollen ihre KI-Investitionen erhöhen, ein Prozent hält sich für bereit. René Deist liefert das Modell, mit dem sich diese Lücke schließen lässt, und einen unbequemen Befund zu Einstiegsjobs.

Von Mark Zimmermann · 28.08.2025 · 4 Minuten Lesezeit · Read in English

René Deist war CIO und CDO bei mehreren multinationalen Konzernen und bringt die Perspektive aus Shanghai, Paris und San Francisco mit. Die Ausgangsfrage der Folge: Wird die Zusammenarbeit von Mensch und KI eine Symbiose oder eher parasitär.

Sein Bild vom Maschinenraum des Lebens trifft den Kern: KI arbeitet längst unsichtbar im Hintergrund, bei der Rauschunterdrückung im Podcast-Ton, bei der automatischen Übersetzung einer Webseite. Jetzt rückt sie näher an die Wertschöpfung heran.

Die Lücke zwischen Wollen und Können

Die McKinsey-Zahl ist die aussagekräftigste der Folge: 92 Prozent wollen ihre Investitionen erhöhen, ein Prozent hält sich selbst für bereit.

Das ist keine Zahl über Technik, sondern über Organisation. Bereit sein heißt: Daten liegen zugänglich vor, Zuständigkeiten sind geklärt, Mitarbeitende sind ausgebildet, und es existiert ein Weg, ein Ergebnis zu prüfen und zu verantworten.

Wer investiert, ohne diese Punkte zu klären, kauft Werkzeuge in eine Organisation, die sie nicht einsetzen kann. Genau das beschreibt die Lücke zwischen 92 und 1.

Der unbequemste Befund der Folge betrifft dabei Berufsanfänger. Klassische Einstiegsjobs verschwinden, weil Agenten genau die Recherche- und Zuarbeitsaufgaben übernehmen, an denen früher gelernt wurde.

Das ist ein strukturelles Problem, für das es noch keine Antwort gibt. Wenn die Aufgaben wegfallen, an denen Erfahrung entsteht, fehlen in zehn Jahren die Erfahrenen. Ein Unternehmen kann diesen Zusammenhang für sich lösen, indem es Einstiegsaufgaben bewusst erhält. Der Markt insgesamt tut es nicht.

Warum Prompt Engineering wichtiger wird

Gegen die verbreitete Erwartung, bessere Modelle machten präzise Formulierung überflüssig, steht in dieser Folge ein Gegenargument.

Dazu kommt der Blick auf Agent-to-Agent-Kommunikation. Wenn Agenten über Model Cards Aufgaben aneinander delegieren, verlieren Menschen zunehmend den Einblick, was zwischen den Systemen tatsächlich verhandelt wird. Das führt direkt zu Explainable AI, also zur Frage, wie sich ein Ergebnis nachvollziehbar machen lässt, dessen Zustandekommen niemand beobachtet hat.

Das Modell

Der Kern der Folge ist Deists Ordnungsmodell: Intent, Operate, Check. Menschen definieren die Strategie und prüfen das Ergebnis, Agenten übernehmen den operativen Mittelteil.

Das klingt nüchtern und hat Folgen für die Aufbauorganisation. Wenn der Mittelteil automatisiert ist, verschieben sich die Rollen an die Ränder: Wer formuliert Absichten, und wer verantwortet die Prüfung.

Für IT-Abteilungen bedeutet das eine neue Aufgabe. Sie stellen künftig Agenten-Plattformen bereit und müssen deren Lernfortschritt bewerten. Das ist etwas anderes als Systeme zu betreiben, weil ein Agent sich verändert, während er läuft.

Beachten Sie, dass das Modell in späteren Folgen weiterentwickelt wurde. Aus Operate wurde Agent Performance, aus Check wurde Human Check, weil sich herausstellte, dass der Mittelteil keinen festgelegten Ablauf mehr hat.

Vertrauen

Am Ende landet das Gespräch bei der Frage, die sich durch die gesamte Reihe zieht. Deists Formulierung: Vertrauen ist die letzte Interface-Challenge, die es zu lösen gilt, bevor Menschen sich auf autonome Systeme verlassen, ob am OP-Tisch oder im Konzerneinkauf.

Der Satz trägt, weil er das Problem an der richtigen Stelle verortet. Vertrauen entsteht nicht durch Genauigkeit allein. Es entsteht durch Nachvollziehbarkeit, durch verlässliches Verhalten in Randfällen und dadurch, dass jemand einsteht, wenn etwas schiefgeht.

Fazit

Diese Folge liefert das Grundmodell, auf das später mehrfach zurückgegriffen wird, und drei unmittelbar prüfbare Punkte.

Klären Sie, ob Ihre Organisation zu den 92 Prozent oder zu dem einen Prozent gehört. Die Frage entscheidet sich nicht an Werkzeugen, sondern an Datenzugang, Zuständigkeiten und Prüfwegen.

Erhalten Sie bewusst Einstiegsaufgaben, auch wenn ein Agent sie schneller erledigt. Sonst fehlt Ihnen in einigen Jahren die Ebene darüber.

Und legen Sie für jeden automatisierten Vorgang fest, wer die Absicht formuliert und wer das Ergebnis verantwortet. Das ist die Kurzfassung des Modells und die einzige Festlegung, ohne die keine der anderen trägt.