Folge 14 · Fachartikel zur Folge
Der Mensch in der Box: Warum Haushaltsroboter noch ferngesteuert werden
Neo faltet Wäsche, räumt Geschirr weg und öffnet die Tür, für 20.000 Dollar oder 499 Dollar Miete im Monat. Bei den komplizierten Aufgaben übernimmt laut einem Test allerdings ein Mensch per Fernsteuerung.
Würden Sie einen Haushaltsroboter bestellen, wenn Sie wüssten, dass in den kompliziertesten Momenten kein System, sondern eine Person am anderen Ende der Leitung steuert?
Genau das ist laut einem Test des Wall Street Journal bei 1X Technologies’ Neo derzeit der Fall. Praktisch jede komplexere Aufgabe läuft über einen menschlichen Operator.
Robot Slavery
Der Begriff, der der Folge den Titel gibt, ist bewusst hart gewählt. Der historische Bezugspunkt ist „Der Türke“, ein Schachautomat des 18. Jahrhunderts, in dem ein Mensch saß. Der moderne ist Amazon Mechanical Turk, benannt nach genau diesem Automaten, bei dem Menschen Aufgaben erledigen, die als maschinell erbracht erscheinen.
Die Fragen daraus sind unbequem und berechtigt: Wer räumt hier für wen auf, und zu welchem Stundenlohn sitzt der Mensch in der Box?
Beachten Sie, was das für den Datenschutz bedeutet. Ein ferngesteuerter Roboter in einer Wohnung heißt, dass eine fremde Person durch dessen Kameras in diese Wohnung sieht. Gesichter werden verpixelt, das ist Teil der Sicherheitsmaßnahmen. Der Rest der Wohnung wird es nicht.
Für die Kaufentscheidung ist das die entscheidende Angabe, und sie steht in keinem Werbevideo: In welchen Situationen übernimmt ein Mensch, wird das angezeigt, und wer ist diese Person.
Warum die humanoide Form gerade jetzt
Der technische Teil erklärt, warum ausgerechnet jetzt Bewegung in ein Feld kommt, das jahrzehntelang stagnierte.
Sicherheitsmaßnahmen gehören zum Bild: Gesichter werden verpixelt, Kraft und Geschwindigkeit sind gedrosselt. Das ist vernünftig und begrenzt zugleich die Einsatzmöglichkeiten, weil ein gedrosselter Roboter für manche Aufgaben schlicht zu langsam ist.
Der Datenschutz-Seitenblick
Nebenbei sprechen beide über reale Vorfälle: chinesische Saugroboter und norwegische Busse, die Daten nach Asien senden.
Das gehört enger zum Thema, als es zunächst wirkt. Ein Haushaltsroboter ist eine mobile Kamera mit Mikrofon, die durch alle Räume fährt und eine vollständige Karte der Wohnung erstellt. Bei einem Saugroboter ist das bereits so, bei einem Humanoiden auf Augenhöhe kommt hinzu, was auf Tischen und in Regalen liegt.
Die Prüffrage vor dem Kauf lautet deshalb nicht, was das Gerät kann, sondern welche Daten es erhebt, wohin sie gehen und ob es ohne Netzverbindung funktioniert.
Fazit
Die Bilanz der Folge ist doppelt: Wir leben näher an Asimovs Robotergesetzen als gedacht und weiter von echter Autonomie entfernt, als das Hochglanzvideo suggeriert.
Für die eigene Einschätzung ergibt sich daraus eine einfache Regel bei jeder Vorführung. Fragen Sie, ob in dieser Aufnahme ferngesteuert wurde. Wird die Frage nicht beantwortet, gilt die Vorführung als Demonstration von Mechanik und nicht von Autonomie.
Bis 2030 rechnen beide mit humanoiden Haushaltsrobotern in deutschen Wohnzimmern. Vermutlich allerdings in deutlich unspektakulärerer Form als erwartet, wie die Paro-Roboterrobbe in der Altenpflege oder ein Staubsaugerroboter mit Greifarm zeigen.
Das ist der wahrscheinlichere Weg: nicht ein Gerät, das alles kann, sondern viele, die eines gut können.