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Folge 2 · Fachartikel zur Folge

Bot, Tool, Agent, Agentic: Vier Begriffe, die ständig verwechselt werden

Die Grenze verläuft nicht bei der Technik, sondern beim Auftrag. Ein Bot bekommt einen Prompt, ein Agent bekommt ein Ziel. Alles Weitere folgt daraus.

Von Mark Zimmermann · 28.07.2025 · 4 Minuten Lesezeit · Read in English

Diese Folge beginnt mit einer Korrektur zur vorherigen, und das ist erwähnenswert, weil es selten passiert: Nicht Anthropic wurde von Salesforce gekauft, sondern das Startup Convergence.ai. Der Anbieter bringt genau die Browser-Steuerungsfähigkeit mit, die ein Agent braucht.

Danach folgt eine Begriffsklärung, die auch drei Jahre später noch gebraucht wird.

Die vier Ebenen

Diese Sortierung ist nützlicher als jede Produktbeschreibung, weil sie sich an der Frage orientiert, wie viel man selbst noch weiß.

Die Grillparty als Beleg

Die titelgebende Anekdote macht die Agent-Ebene greifbar. Ein Agent organisiert eine komplette Grillparty für 20 Gäste: Rezepte für Vorspeise, Grillgut und Salate, Einkaufsliste, Lieferfenster beim Supermarkt, bis zum fertigen Bestellvorschlag. Kurz darauf plant derselbe Ansatz einen mehrtägigen Familientrip nach Dresden und Berlin, inklusive Hund, Kulturprogramm und Buchungsoptionen.

Das Beispiel ist deshalb gut gewählt, weil es zeigt, wo der Aufwand steckt. Keine dieser Teilaufgaben ist schwierig. Schwierig ist, dass sie voneinander abhängen: Die Menge folgt aus der Gästezahl, die Einkaufsliste aus den Rezepten, das Lieferfenster aus dem Termin. Genau diese Verkettung unterscheidet ein Ziel von einem Auftrag.

Erwähnt wird auch Perplexity als früher Vorreiter, der Quellenangaben und Einkauf direkt im Gespräch verbindet.

Wo es unangenehm wird

Die offene Flanke benennt die Folge deutlich: Wer haftet, wenn ein Agent oder ein ganzes Netzwerk eigenständig handelt.

Damit verbunden ist eine Frage, die eher gestalterisch aussieht und keine ist: Braucht man als Mensch weiterhin Quellenangaben, um ein Ergebnis zu akzeptieren, oder reicht am Ende das Resultat.

Beide Hosts verorten das ausdrücklich als IT-Sicherheits- und Identitätsfrage, nicht als Bedienungsdetail. Das trifft. Wenn ein Agent in Ihrem Namen bestellt, ist die Frage nicht, ob die Oberfläche gefällt, sondern mit welcher Identität er handelt und wie man später nachweist, was er getan hat.

Praktisch heißt das: Ein Agent, der handelt, braucht eine eigene, unterscheidbare Identität und ein Protokoll. Wenn er unter Ihrem Konto arbeitet, ist im Nachhinein nicht mehr trennbar, was Sie getan haben und was er.

Fazit

Die Begriffsklärung ist keine Sprachpflege, sondern eine Entscheidungshilfe. Sie beantwortet, wie viel Kontrolle Sie abgeben.

Bei einem Bot behalten Sie alles: Sie fragen, Sie bewerten. Bei einem Tool geben Sie eine Fähigkeit hinzu und behalten die Entscheidung. Bei einem Agenten geben Sie den Weg ab und behalten das Ziel. Bei einem agentischen Netzwerk geben Sie auch die Koordination ab.

Jede dieser Stufen ist vertretbar. Falsch wird es, wenn eine Organisation glaubt, sie sei auf Stufe zwei, während sie auf Stufe drei arbeitet.

Die These, mit der die Folge endet, ist dabei bemerkenswert unaufgeregt und hat sich gehalten: KI ist nicht die letzte Erfindung der Menschheit, sondern ein Werkzeug, das im Zusammenspiel mit Menschen neue Erfindungen ermöglicht. KI demokratisiert IT, weil plötzlich viel mehr Menschen mit natürlicher Sprache Dinge tun können, die vorher Fachwissen erforderten.